125 Jahre Schwäbischer Albverein

2013 feiert der mit 110.000 Mitgliedern größte Wanderverein Europas sein 125-jähriges Jubiläum. Zahlreiche Festveranstaltungen, Motto-Wanderungen, Kultur- und Sportangebote stehen auf dem Programm.Ein großer Bändertanz vor dem Ulmer Münster am 28. April, eine Festversammlung am 4. Mai im Neuen Schloss in Stuttgart und das Landesfest vom 7. bis 9. Juni  am Gründungsort Plochingen sind einige der Höhepunkte.Der Schwäbische Albverein wurde 1888 in Plochingen gegründet und schmückt sich mit dem Dreiklang „Natur- Heimat – Wandern“ als Leitspruch.Der Wanderverein pflegt mit unzähligen ehrenamtlichen Helfern ein 24.000 Kilometer umfassendes Wanderwegenetz und setzt sich als Naturschutzverband für den Erhalt und den sorgsamen Umgang von Umwelt und Natur ein. Ein wichtiges Instrument hierbei ist der Grunderwerb. Mittlerweile besitzt der Albverein über 160 Hektar Naturschutzgrundstücke. Zudem wird auch die Pflege von Kultur und Brauchtum groß geschrieben. Aber auch Jugend und Familie kommen beim Schwäbischen Albverein nicht zu kurz. Für Albvereinspräsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß ist die Familien- und Jugendarbeit die Basis zur Sicherung der Zukunft des Vereins.

Informationen zu den Familien- und Jugendangeboten finden Sie unter www.albvereinsfamilie.de bzw. unter www.schwaebische-albvereinsjugend.de

Wichtige Daten: 570 Ortsgruppen, 110.000 Mitglieder, 24.000 km Wegenetz, 29 Aussichtstürme, 22 Wanderheime, 160 Hektar Naturschutzgrundstücke.

Den Menschen zur Freude – Das große Wanderbuch der Schwäbischen Alb

Rechtzeitig zum 125-jährigen Jubiläum und unter der Reihe „Natur – Heimat – Wandern“ hat der Schwäbische Albverein soeben die vierte Auflage des umfassenden und  aufschlussreichen Wanderkompendiums „Das große Wanderbuch der Schwäbischen Alb“ von Willi Siehler herausgebracht. 130 natur- und kulturhistorisch interessante Wanderungen,in der Regel Rundwanderungen, werden hier im Detail beschrieben und in Wanderkärtchen mit Höhenlinien dargestellt. Die Aufbereitung ist nutzerfreundlich und mit Angaben zu Gehzeiten, Höhenunterschieden, Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und jeweiligem Verweis auf die passende Albereins-Wanderkarte versehen.

Der Wanderführer will mehr bieten als reine Wegbeschreibungen. „Vielmehr soll er Wanderern Wissenswertes zu Landschaft, Botanik und Tierwelt sowie zu Naturschutz und Kultur vermitteln“, betont Albvereinspräsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß. Zudem solle das Buch – ganz im Sinne des langjährigen Vorsitzenden des Albvereins, Dr. h.c. Georg Fahrbach – den Menschen einfach Freude bereiten.

Aus diesem Grund bietet der neue und gleichzeitig traditionsreiche Wanderführer, der auf literarische Vorläufer bis ins Jahr 1903 zurückblicken kann,  jede Menge Informationen zu Geologie, Flora und Fauna sowie zur Geschichte der Schwäbischen Alb.

Geographisch betrachtet erstreckt sich die Schwäbische Alb von der Klettgaualb im Südwesten des Landes bis hin zum Nördlinger Ries im Nordosten. Dieser naturräumlichen Gliederung entsprechend werden die zwischen sechs und 19 km langen Wanderungen vorgestellt. Allein im Bereich des „Biosphärengebiets Schwäbische Alb“ verlaufen 30 der beschriebenen Etappen.

„Mit diesem Buch ist man ausgezeichnet für das neue Wanderjahr 2013 gewappnet“, so Rauchfuß.

Informationen zum Buch:

Willi Siehler: Das Große Wanderbuch der Schwäbischen Alb, 130 Wanderungen zwischen Küssaburg und Ries, 4. durchgesehene, aktualisierte Auflage 2012, elastischer Einband.498 Seiten, 338 Farbfotos, 18 Zeichnungen. Mit Beiträgen von Theo Müller, Willi Rößler, Josef Schoser und Fritz Schray. Preis: 30 Euro. Für Mitglieder bei Bezug über die Hauptgeschäftsstelle 18 Euro.

Bauwerke in luftiger Höhe

Am 1. Dezember erscheint die neue Ausgabe der „Blätter des Schwäbischen Albvereins“. Das inhaltlich facettenreiche und traditionsreiche Mitgliedermagazin widmet sich in diesem Heft den mittelalterlichen Burgen und Schlössern auf der Alb. Märchenhafte Fotos und aufschlussreicheTexte führen den Leser durch das 68 Seiten starke Magazin.

Warum so viele der prachtvollen Bauwerke auf der Schwäbischen Alb gebaut wurden, wie man sich das Leben von damals vorstellen kann, und was von den imposanten Gebäuden übrig geblieben ist, erfahren die Leser in fundierten historischen Berichten. Die Autoren zeigen auf, wie wenig das harte Leben der damaligen Bevölkerung mit den zuweilen verklärten Vorstellungen von Burgenromantikern zu tun hatte. Auch über Archäologie und  wissenschaftliche Forschungsmethoden erfährt der Leser Einiges. Manche Rätsel, wie Kunst- oder Zweckformen und vor allem, wie die Bauwerke in Schwerstarbeit entstanden sind und welche Werkzeuge verwendet wurden, sind immer noch nicht gelöst.

Viele der einst rund 400 mittelalterlichen Schloss- und Festungsanlagen sind mittlerweile nur noch als imposante Ruinen erhalten und als Ausflugsziele für Wanderungen beliebt.

Die „Blätter des Schwäbischen Albvereins“ weisen auch auf die im nächsten Jahr stattfindende Ausstellung „Schlösser und Burgen ohne Zahl – Ausblick von der Schwäbischen Alb“ hin, die am 14. April in der Galerie Albstadt eröffnet wird. Der Schwäbische Albverein wird diese Ausstellung während seines Jubiläumsjahrs 2013 mit vielen Burgenwanderungen thematisch begleiten.

Wandertipps, Kulturprogrammtermine und Pflanzenkunde sind  ebenfalls wieder mit im Heft. Desweiteren gibt es Informationen und kurze Berichte zu aktuellen Veranstaltungen, Projekten und sonstigen Aktiviäten.

Blätter des Schwäbischen Albvereins

Die erste Ausgabe der Albvereinsblätter erschien am 12. Mai 1889 mit einem Umfang von acht Seiten und in einer Auflage von 500 Exemplaren. Aktuell erscheinen die »Blätter des Schwäbischen Albvereins vierteljährlich in einer Auflage von 85.000 Exemplaren. Alle Albvereinsblätter von 1889 an sind für die Öffentlichkeit zugänglich unter www.schwaben-kultur.de.

Albvereinsmitglieder erhalten die Zeitschrift kostenlos zugeschickt. Sie  kann aber auch von Nicht-Mitgliedern abonniert werden und kostet 16 Euro jährlich.

Sibyllenhöhle auf der Teck: Zauberhaftes Ausflugsziel ist wieder gut begehbar

Oktober 2012: Zugang zum Sibyllenloch wurde mit Hilfe der Privatbrauerei Dinkelacker-Schwaben Bräu saniert

Die Burg Teck mit ihrer exponierten Lage auf 775 Meter direkt vor dem Albtrauf bietet tolle Weitblicke – bei schönem Wetter bis hinein in die Alpen. Gerade jetzt im Herbst ist ein Spaziergang hinauf zur Burg ein farbenfroher Augenschmaus. Wanderer sollten beim Besuch der Teck keinesfalls versäumen, einen Schlenker hinab zum sagenumwobenen Sibyllenloch einzuschlagen. Der Zugang zur Sibyllenhöhle befindet sich vor dem Burgtor rechts und ist nach Sanierungsarbeiten wieder einwandfrei und mit entsprechendem Schuhwerk gut begehbar.

Über eine Woche lang hatten drei Landschaftsgärtner der Firma „Freiraum & Garten“, Köngen, rund zehn Tonnen Jurakalksteinblöcke Richtung Höhle geschleppt und passgenau in den hinab führenden Weg und Höhlenzugang eingearbeitet.

„Mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden“, freut sich der Vizepräsident des Schwäbischen Albvereins Reinhard Wolf über die gelungenen Reparaturarbeiten am Eingang zum Sibyllenloch: „Die Steintreppen und der Aufgang zur Höhle fügen sich optimal ins Landschaftsbild ein‘“.

Eine Erneuerung des Abgangs zum Sibyllenloch war nötig geworden, nachdem natürliche Auswaschungsprozesse über Jahrzehnte hinweg Stufen und Steine unterspült hatten und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet war. Der Schwäbische Albverein als Grundeigentümer ist mit den Sanierungsarbeiten seiner Verkehrssicherheitspflicht nachgekommen. Die Kosten dafür musste der Wanderverein glücklicherweise nicht alleine stemmen.

Die Privatbrauerei Dinkelacker-Schwaben Bräu AG, welche seit drei Jahren Kooperationspartner des Albvereins im Bereich „Wege und Wandern“ ist, hat hierfür Mittel bereitgestellt. „So konnten wir ein Stück zur Erhaltung der schwäbischen Kulturlandschaft beigetragen“, sagt Rolf Lohbrunner, Verkaufsleiter Gastronomie und verweist auf die gemeinsame Heimat, welche den Schwäbischen Albverein mit dem Brauereiunternehmen verbindet. Sogar das Gründungsjahr der Partner ist dasselbe, beide begehen 2013 ihr 125-jähriges Jubiläum. „Generell passt die Förderung von Wanderkultur ins ganzheitliche Konzept des Traditionsunternehmens Dinkelacker-Schwaben Bräu“, so Lohbrunner.

 

Reinhard Wolf freut sich vor allem darüber, dass die vielen Tagestouristen, die auf die Teck kommen, nun auch wieder sicheren Schrittes zum Sibyllenloch hinunter laufen können. Der Höhleneingang ist mit zusätzlichen Kalksteinstufen versehen, die in die rund zehn Meter tiefe Eingangshalle führen. Von hier aus nach draußen bietet sich dem Besucher ein grandioser Blick über die üppige Baumlandschaft des Teckbergs. In dieser märchenhaften Umgebung wirkt die Sibyllensage plötzlich sehr glaubwürdig:

In der Höhle unterhalb der Teckburg soll der Legende nach einst eine weise und gütige Schlossherrin gewohnt haben, die vielen Menschen geholfen habe. Ihre Söhne allerdings waren wild und böse. Eines Tages habe sie sich ihrer missratenen Söhne so geschämt, dass sie mit einem feurigen Wagen – gezogen von wilden Katzen – das Weite suchte und nie mehr wiederkehrte. Wo aber der Wagen den Boden berührte, soll dieser noch heute besonders fruchtbar sein.

 


 

 

Das Schopflocher Moor ist ein landschaftliches Juwel und immer einen Ausflug wert

„Der Schutz des Torfmoors wird heute in erster Linie durch die Besucherlenkung aufgrund des Bohlenwegs gewährleistet“, so Vize-Präsident Reinhard Wolf. Für seine jahrzehntelangen Leistungen im Naturschutzgebiet Schopflocher Moor wurde der Albverein im Dezember letzten Jahres sogar mit dem Umweltpreis „Eco Award“ des Europäischen Wanderverbands ausgezeichnet.

„Unsere Strategie des schrittweise erfolgten Grunderwerbs, die beispielhaften Landschaftspflegemaßnahmen zur Offenhaltung des Moores sowie der besucherlenkenden Holzbohlenpfad haben sich gelohnt“, freut sich Albvereinspräsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß.  Nur so habe  eine weitere Zerstörung gestoppt werden können. Der Schwäbische Albverein führt jedes Jahr einen Pflegetag durch, an dem rund 80 Helfer in ihrer Freizeit Sträucher und Bäume entfernen, um das Moor offen zu halten.

Seit einigen Jahren weiden auch schottische Hochlandrinder auf ausgewählten Teilfächen. Die Tiere sorgen dafür, dass das Freiland nicht von Büschen zugewuchert wird. „Die Methode hat sich sehr gut bewährt und die Artenvielfalt auf den beweideten Flächen hat zugenommen“, so Dr. Wolfgang Wohnhas, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb. Diese Art der Landschaftspflege wird deshalb auch in den kommenden Jahren fortgefüht.

Aufgrund der landschaftlichen Schönheit und der guten Lage auf der Schopflocher Alb mit ihren herrlichen Ausblicken, Burgen, Ruinen, Felsen und Höhlen, Schafweiden und Blumenwiesen ist das Schopflocher Moor ein wahrer Besuchermagnet: Etwa 70. 000 Naturliebhaber laufen jährlich über den 400 Meter langen Holzbohlenpfad des knapp 80 Hektar großen Naturschutzgebiets. Das Moor ist auf naturverträgliche Art in das Wanderwegenetz integriert und kann beispielsweise mit einer Wanderung ab Wanderparkplatz Berg Schopfloch Schopfloch verbunden werden.

Das Schopflocher Moor

Vor 18 Millionen Jahren war die Torfgrube bei Schopfloch als Folge des Vulkanismus auf der Schwäbischen Alb entstanden. Die Schlotfüllung eines alten Vulkanschlots war schneller verwittert als die harte Kalkgesteinumgebung, sodass  sich eine Mulde mit einer Lehmschicht bildete. Millionen Jahre später entstand darauf ein See, wo Torfmoose wuchsen  und nach und nach durch Verlandung zum Moor wurden. Durch die Torfstecherei und Entwässerung ab 1784 war das Moor bald in seiner Existenz gefährdet. Der Schwäbische Albverein hat dann  erste Gegenmaßnahmen zur Rettung des Moors ergriffen. Bereits 1942 wurde das Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt.

„DIE BESTEN JAHRE“: Albverein zeigt einen Strauß an Aktivtiäten für Junggebliebene

Wandern ist unschlagbar beliebt, und zwar bei Jung und Alt. Wer beruflich bereits etwas kürzer tritt oder im Ruhestand ist, hat den Vorteil, diese Outdoor-Aktivität bewusst genießen und ausleben zu können. Wie umfangreich dabei die Möglichkeiten sind, zeigt der Schwäbische Albverein auf der Messe „DIE BESTEN JAHRE“ am 19. und 20. November in Stuttgart.

Der größte  Wanderverein Europas nutzt die Messe als Plattform, um die vielfältigen Optionen für einen abwechslungsreichen und aktiven Lebensabschnitt jenseits der 50 aufzuzeigen.

Gleich zum Auftakt am 19. November bietet die Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg im Schwäbischen Albverein eine Gesundheitwanderung zu der neuen Messe an. Vom Treffpunkt S-Bahn-Haltestelle Stuttgart-Rohr (9.30 Uhr) wandern die Teilnehmer ca. 2,5 Stunden durch den Herbstwald zur Messe Stuttgart. Zwischendurch zeigen die ausgebildeten Wanderführerinnen Übungen zur Stärkung des Muskelapparats sowie des Herz-Kreislaufsystems. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist deshalb erforderlich (Tel. 0711/22585-.26 oder 22585-11).

Am Infostand des Albvereins können sich die Besucher zu Kursen der Heimat- und Wanderakademie, zu Wandertagen, zur Ausbildung zum zertifizierten Natur- und Landschaftsführer und zu den unterschiedlichsten Orgsgruppenaktivitäten sowie den Angeboten der Biosphärenbotschafter und über das Biosphärengebiet Schwäbische Alb informieren.

Ein wichtiger thematischer Schwerpunkt auf der Messe ist der gesundheitliche Nutzen des Wanderns. „Unlängst hat eine sportwissenschaftliche Studie bestätigt, dass Wandern das Herz stärkt, Fett reduziert und den Muskelaufbau fördert“, betont Albvereinspräsident Dr. med. Hans-Ulrich Rauchfuß.  „Wandern ist nicht nur Training für die Muskeln, es entlastet auch die Psyche durch Zerstreuung in der Natur und den Aufenthalt in der Gemeinschaft“, weiß Rauchfuß. Die Gesundheits-wanderungen des Schwäbischen Albvereins unter der Leitung speziell ausgebildeter Wanderführer seien sehr gefragt.

Für diejenigen, die sich keiner geführten Wanderung anschließen wollen, sondern die Landschaft auf eigene Faust erkunden wollen, gibt es auf der Messe eine Einführung ins Wanderkartenlesen. Der Leiter der Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg, Bernd Magenau, zeigt interessierten Messebesuchern wie man mit Kartenmaterial richtig umgeht. Der Workshop „Wanderkarten richtig lesen“  findet an beiden Messetagen statt.

Ein besonderes Highlight bietet der Schwäbische Albvereins mit der Ehrenamtsbörse. Hier erfahren interessierte Besucher, in welchen Bereichen sie sich innerhalb des Schwäbischen Albvereins engagieren können. Beispielsweise als ehrenamtliche Helfer bei den Pflegetrupps, bei der Wegewartung und – beschilderung oder im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes.

Als Heimatverein bringt sich der Albverein auf der Messe auch mit Mundart-Musikveranstaltungen ein: Die Kleinkunst-Musikgruppe „Brock-Terzett“ tritt am Montag mit fetziger schwäbischer Musik auf und Claudia Pohel singt am Dienstag Mundart-Lieder und Chansons.

Der Schwäbische Albverein wurde einst in Plochingen gegründet und schmückt sich mit dem Dreiklang „Natur- Heimat – Wandern“ als Leitspruch. Er verfügt über ein Wegenetz von 24.000 km, besitzt 29 Aussichtstürme und 22 Wanderheime. Nächstes Jahr feiert der 110.000 Mitglieder starke Verein sein 125-jähriges Jubiläum. Zahlreiche Festveranstaltungen, Motto-Wanderungen, Kultur- und Sportangebote stehen auf dem Programm.

Der Fortschritt ist eine Schnecke

Vorbildliche Projekte auf der Schwäbischen Alb und Anregungen
unter dem Motto „Schützen durch Nützen“

„Der Fortschritt ist eine Schnecke“, sagte Umweltexperte und Referent Thomas Haigis unlängst beim zweiten Teil der dreiteiligen Kursreihe „Wandern – Kulturlandschaft erleben und nachhaltige Entwicklung“ im Trachtenmuseum Pfullingen, zu welcher die Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg im Schwäbischen Albverein eingeladen hatte. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Motto „Schützen durch nützen“. Neben regionalen Akteuren und zwei Fachreferenten, war Regina Leicht als Vertreterin des Kooperationspartners Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit von der Partie.

Wie passend das Zitat mit den Schnecken war, zeigte das von Rita Goller vorgestellte Geschäftsmodell „Albschneck“. Die Schneckenexpertin erläuterte den Seminarteilnehmern ihre Marktnische. Seit etwa zehn Jahren vermarktet Goller unter dem geschützten Namen „Albschneck“ ihre auf der Alb gezüchteten Weinbergschnecken. Die Schneckenzucht ist inzwischen auf ca. 50.000 Tiere angewachsen. Heimische Restaurants sind die Abnehmer. Zum Thema regionale Wertschöpfungsketten auf der Alb präsentierten neben der Schneckenzüchterin noch weitere Akteure ihre Vermarktungsprojekte und Produkte: Bärbel Stotz zeigte Einblicke in die Schafhaltung auf dem Truppenübungsplatz Münsingen mit Vermarktung von Fleisch und Wolle. Lutz Mammel erklärte die Vorzüge des Anbaus von Linsen unter dem Label „Alb-Leisa“ und Johann Spitzer stellte das auf Heimatverbundenheit ausgelegte Konzept der Hirschbrauerei Böhringer Biere vor. “.

12. Oktober 2012 Der Fortschritt ist eine Schnecke Vorbildliche Projekte auf der Schwäbischen Alb und Anregungen unter dem Motto „Schützen durch Nützen“

Insgesamt hatten sich 20 Teilnehmer trotz des schönen Herbstwetters eingefunden, um sich dem Thema „Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch“ zu widmen, darüber zu diskutieren und sich kritischen Selbsttests zu unterziehen.

Regionalgeschäftsführerin des BUND Neckar-Alb Barbara Lupp erklärte in ihrem Vortrag, dass die Biosphäre ein begrenztes System sei, dessen Kapazitäten in den letzten Jahrzehnten massiv überschritten worden seien. Sie forderte die Teilnehmer auf, den eigenen ökologischen Fußabdruck (www.footprint-deutschland.de) zu bestimmen. Dieser errechnet sich aus den individuell verbrauchten Ressourcen und zeigt auf, wie viel Fläche dafür benötigt wird. Während es bei einem Inder nur etwa 0,9 Hektar pro Person sind, liegt der Wert beim Durchschnittsdeutschen bei fünf und beim Amerikaner sogar bei 9,6 Hektar. „Wenn alle Menschen so leben würden, wären fünf Erden notwendig“, weiß Lupp. Ökologisch vertretbar seien nur 1,8 Hektar.

Der Verbraucher könne zwar durch Einkaufen von Lebensmitteln, Kleidung, usw. und bei der Auswahl der Verkehrsmittel Einfluss auf das globale Ganze nehmen. Doch die Bedingungen in einer wirtschaftsdominierten Gesellschaft machten das nicht immer einfach. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die so genannte „Geplante Obsoleszenz“, wonach Hersteller absichtlich Sollbruchstellen in ihre Produkte einbauten, um die Nachfrage anzuregen. Zum Beispiel bei bestimmten Druckern oder anderen elektronischen Geräten“.

12. Oktober 2012 Der Fortschritt ist eine Schnecke Vorbildliche Projekte auf der Schwäbischen Alb und Anregungen unter dem Motto „Schützen durch Nützen“

Werner Korn vom VCD ging in seinem Vortrag vor allem auf die Auswirkungen des Individual- und Güterverkehrs auf das Klima ein. „Größter Emittent für Kohlendioxid in Baden-Württemberg ist der Verkehr“, so Korn. Vor allem beim Güterverkehr sei in den letzten 20 Jahren ein enormer Zuwachs zu verzeichnen. Die stärksten Wachstumsraten aber gebe es beim Flugverkehr, welcher paradoxerweise vollkommen von den ökologischen Folgekosten befreit sei. Er sieht neben dem Einsatz energieeffizienterer Fahrzeuge und der Verlagerung des Güterverkehrs weg von der Straße vor allem in der Verkehrsvermeidung ein probates Mittel, den Klimaschutz voranzutreiben. In dieser Hinsicht sei der Schwäbische Albverein vorbildlich, denn: „Wandern ist die Mutter der sanften Mobilität“, betonte Korn.

Der dritte und letzte Teil der Nachhaltigkeitsreihe findet am 11. Mai 2013 unter dem Titel „Best practice – das Gute findet man gleich um die Ecke“ statt. Hierbei geht es unter anderem um Artenvielfalt, Vernetzung, Generationengerechtigkeit und nachhaltige Engagementförderung. Die Abschlussveranstaltung ist als Busexkursion geplant, die durch die Schwäbische Alb mit Besuch des Biosphärenzentrums führt.

Informationen: Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg, Hospitalstr. 21 B,70174 Suttgart; eMail: akademie@schwaebischer-albverein.de.
Internet: www.schwaebischer-albverein.de/aktuell