Der Fortschritt ist eine Schnecke

Vorbildliche Projekte auf der Schwäbischen Alb und Anregungen
unter dem Motto „Schützen durch Nützen“

„Der Fortschritt ist eine Schnecke“, sagte Umweltexperte und Referent Thomas Haigis unlängst beim zweiten Teil der dreiteiligen Kursreihe „Wandern – Kulturlandschaft erleben und nachhaltige Entwicklung“ im Trachtenmuseum Pfullingen, zu welcher die Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg im Schwäbischen Albverein eingeladen hatte. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Motto „Schützen durch nützen“. Neben regionalen Akteuren und zwei Fachreferenten, war Regina Leicht als Vertreterin des Kooperationspartners Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit von der Partie.

Wie passend das Zitat mit den Schnecken war, zeigte das von Rita Goller vorgestellte Geschäftsmodell „Albschneck“. Die Schneckenexpertin erläuterte den Seminarteilnehmern ihre Marktnische. Seit etwa zehn Jahren vermarktet Goller unter dem geschützten Namen „Albschneck“ ihre auf der Alb gezüchteten Weinbergschnecken. Die Schneckenzucht ist inzwischen auf ca. 50.000 Tiere angewachsen. Heimische Restaurants sind die Abnehmer. Zum Thema regionale Wertschöpfungsketten auf der Alb präsentierten neben der Schneckenzüchterin noch weitere Akteure ihre Vermarktungsprojekte und Produkte: Bärbel Stotz zeigte Einblicke in die Schafhaltung auf dem Truppenübungsplatz Münsingen mit Vermarktung von Fleisch und Wolle. Lutz Mammel erklärte die Vorzüge des Anbaus von Linsen unter dem Label „Alb-Leisa“ und Johann Spitzer stellte das auf Heimatverbundenheit ausgelegte Konzept der Hirschbrauerei Böhringer Biere vor. “.

12. Oktober 2012 Der Fortschritt ist eine Schnecke Vorbildliche Projekte auf der Schwäbischen Alb und Anregungen unter dem Motto „Schützen durch Nützen“

Insgesamt hatten sich 20 Teilnehmer trotz des schönen Herbstwetters eingefunden, um sich dem Thema „Konsumverhalten und Ressourcenverbrauch“ zu widmen, darüber zu diskutieren und sich kritischen Selbsttests zu unterziehen.

Regionalgeschäftsführerin des BUND Neckar-Alb Barbara Lupp erklärte in ihrem Vortrag, dass die Biosphäre ein begrenztes System sei, dessen Kapazitäten in den letzten Jahrzehnten massiv überschritten worden seien. Sie forderte die Teilnehmer auf, den eigenen ökologischen Fußabdruck (www.footprint-deutschland.de) zu bestimmen. Dieser errechnet sich aus den individuell verbrauchten Ressourcen und zeigt auf, wie viel Fläche dafür benötigt wird. Während es bei einem Inder nur etwa 0,9 Hektar pro Person sind, liegt der Wert beim Durchschnittsdeutschen bei fünf und beim Amerikaner sogar bei 9,6 Hektar. „Wenn alle Menschen so leben würden, wären fünf Erden notwendig“, weiß Lupp. Ökologisch vertretbar seien nur 1,8 Hektar.

Der Verbraucher könne zwar durch Einkaufen von Lebensmitteln, Kleidung, usw. und bei der Auswahl der Verkehrsmittel Einfluss auf das globale Ganze nehmen. Doch die Bedingungen in einer wirtschaftsdominierten Gesellschaft machten das nicht immer einfach. In diesem Zusammenhang verwies sie auf die so genannte „Geplante Obsoleszenz“, wonach Hersteller absichtlich Sollbruchstellen in ihre Produkte einbauten, um die Nachfrage anzuregen. Zum Beispiel bei bestimmten Druckern oder anderen elektronischen Geräten“.

12. Oktober 2012 Der Fortschritt ist eine Schnecke Vorbildliche Projekte auf der Schwäbischen Alb und Anregungen unter dem Motto „Schützen durch Nützen“

Werner Korn vom VCD ging in seinem Vortrag vor allem auf die Auswirkungen des Individual- und Güterverkehrs auf das Klima ein. „Größter Emittent für Kohlendioxid in Baden-Württemberg ist der Verkehr“, so Korn. Vor allem beim Güterverkehr sei in den letzten 20 Jahren ein enormer Zuwachs zu verzeichnen. Die stärksten Wachstumsraten aber gebe es beim Flugverkehr, welcher paradoxerweise vollkommen von den ökologischen Folgekosten befreit sei. Er sieht neben dem Einsatz energieeffizienterer Fahrzeuge und der Verlagerung des Güterverkehrs weg von der Straße vor allem in der Verkehrsvermeidung ein probates Mittel, den Klimaschutz voranzutreiben. In dieser Hinsicht sei der Schwäbische Albverein vorbildlich, denn: „Wandern ist die Mutter der sanften Mobilität“, betonte Korn.

Der dritte und letzte Teil der Nachhaltigkeitsreihe findet am 11. Mai 2013 unter dem Titel „Best practice – das Gute findet man gleich um die Ecke“ statt. Hierbei geht es unter anderem um Artenvielfalt, Vernetzung, Generationengerechtigkeit und nachhaltige Engagementförderung. Die Abschlussveranstaltung ist als Busexkursion geplant, die durch die Schwäbische Alb mit Besuch des Biosphärenzentrums führt.

Informationen: Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg, Hospitalstr. 21 B,70174 Suttgart; eMail: akademie@schwaebischer-albverein.de.
Internet: www.schwaebischer-albverein.de/aktuell