Wandern und Nachhaltigkeit gehen Hand in Hand

Wie können Wanderführer das Thema nachhaltige Entwicklung auf Wanderungen vermitteln und erklären? Und: Warum ist das wichtig?

Diese Fragen hat man sich bei der Heimat- und Wanderakademie im Schwäbischen Albverein gestellt und im Juli 2012 eine dreiteilige Kursreihe „Wandern – Kulturlandschaft erleben und nachhaltige Entwicklung“ ins  Leben gerufen. Diese ging am 11. Mai 2013 mit einer Busexkursion durch das Biosphärengebiet Schwäbische Alb zu Ende.

Die Kursreihe, wurde in Kooperation mit der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwäbische Alb, der Umweltakademie Baden-Württemberg  sowie Tourismusverbänden und verschiedenen Umweltinformationszentren durchgeführt. Außerdem wurde sie vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes finanziell unterstützt.

Zu der Veranstaltungsreihe waren renommierte Experten aus der Wissenschaft sowie regionale Akteure eingeladen. Alle mit dem Ziel aufzuzeigen, was sich hinter dem Begriff „nachhaltige Entwicklung“ verbirgt, und wie Wanderführer und Bildungsakteure diesen Leitgedanken in ihre Angebote mit einbauen könnten. Die insgesamt 35 Kursteilnehmer bekamen nicht nur jede Menge theoretischen Input, sondern wurden auch selbst aktiv. Sie lernten Landschaft, Entwicklungen und Leute kennen und arbeiteten in Teams an didaktischen Konzepten für spätere Wanderungen.

Der Titel des letzten Kursmoduls lautete „Best practice – das Gute findet man gleich um die Ecke“. Während einer Busexkursion zu unterschiedlichen Orten und Stationen lernten die Teilnehmer das Nachhaltigkeitskonzept des Biosphärengebiets Schwäbische Alb kennen, diskutieren mit Fachleuten über nachhaltigen Tourismus und das Spannungsfeld Naturschutz, Landwirtschaft und Freizeit.

Der Münsinger Bahnhof als Türöffner für die Region

Erste Station der Reise war das Informationszentrum Bahnhof Münsingen. Der Chef der Touristinformation Bernd-Matthias Weckler gab aufschlussreiche Einblicke in das Nachhaltigkeitskonzept der Schwäbischen Alb-Bahn und erzählte Wissenswertes zur Bahnhofsgeschichte. Der Münsinger Bahnhof ist nicht nur Haltestelle für die Züge der Schwäbischen Alb-Bahn, sondern auch eine Außenstelle der Touristik-Information der Stadt und Verwaltung der Schwäbischen Alb-Bahn Gesellschaft. Besucher können sich eine Ausstellung unter dem Motto „Reiseziel Natur“ ansehen. Zu finden sind hier für die Gegend typische Exponate mit Informationen zu Schafhaltung und Beweidung, Streuobstwiesen und -produkten sowie zu Geologie und Fossilien.

Bahnhofsvorsteher Weckler sieht im Bahnhof einen wichtigen Türöffner, welcher das Interesse der Besucher für die Region zu wecken vermag. „Der Bahnhof stellt die Verbindung zwischen Reiseziel, Natur und bahnhofstypischen Elementen her“, so Weckler: „Unser Bahnhofskonzept bietet den Leuten, die mit dem Zug hierher kommen, einen Mehrwert“, so der Tourismusfachmann weiter.

Biosphärenzentrum mit vielfältigen Informationen

Nächste Station für die Kursteilnehmer war das Biosphärenzentrum Schwäbische Alb im Alten Lager in Münsingen-Auingen. Der ehemalige Truppenübungsplatz ist die größte unzerschnittene Fläche in Baden-Württemberg.  Der pädagogische Mitarbeiter des Zentrums Jochen Rominger erklärte zuerst das Konzept des Biospährengebiets mit Zonierung, Regionalentwicklung und Partnerinitiativen. „Der Reichtum der Schwäbischen Alb ist ihre Schönheit“, sagte er. Übergeordnetes Ziel sei, dass Mensch und Natur langfristig voneinander profitierten. Eine interaktive Ausstellung vermittelte anschließend wertvolle Informationen rund um das Biosphärengebiet, seine Ausdehnung, seine geologischen Besonderheiten, seine Ausflugsziele und seine Landwirtschaft.

BruderhausDiakonie als Beispiel sozialer Nachhaltigkeit

Da sich eine nachhaltige Entwicklung als Dreisäulenmodell aus Ökonomie – Ökologie – Soziales versteht, stand bei der Busexkursion auch der Besuch einer sozialen Einrichtung auf dem Programm.  Am Beispiel der Bruderhausdiakonie Buttenhausen wurde aufgezeigt, wie Nachhaltigkeit im Sinne diakonischer Arbeit verstanden und gelebt wird. Die Einrichtung ist der zweitgrößte Arbeitgeber in der Region Münsingen. In Buttenhausen geht es vor allem um Sozialpsychiatrie mit Anbindung einer kleinen Behindertenhilfe. „Wir verstehen uns als Komplementäreinrichtung“, so der stellvertretende Leiter Marc Böhringer. Nach einer Erkrankung sei es für die Patienten wichtig, eine Tagesstruktur zu erhalten und so gut es ginge, am beruflichen und sozialen Leben teilnehmen zu können. Zur Einrichtung gehören ein Restaurant, eine kleine Weberei, eine Gärtnerei und sogar eine gewerbliche Wäscherei.

Der Besuch der BruderhausDiakonie hat Anregungen für eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Albverein aufgezeigt. So wäre es beispielsweise denkbar, für Menschen mit Handicap ein spezielles Wanderprogramm anzubieten und die Wanderführer entsprechend zu schulen. Thomas Haigis von der Heimat- und Wanderakademie brachte den Begriff der Inklusion ins Spiel: „Behinderte sollen am Gemeinschaftsleben teilnehmen können und der Albverein könnte im Rahmen gemischter Wanderangebote Möglichkeiten dazu schaffen“. Denn: Beim Albverein kümmere man sich nicht nur um die Landschaft, sondern auch um die Leute.

Botanische Exkursion im Naturschutzgebiet Digelfeld

Der letzte offizielle Programmpunkt des Kurses war eine Exkursion in das Naturschutzgebiet Digelfeld unter der Leitung von Hauptnaturschutzwart Süd, Dr. Wolfgang Herter und Gaunaturschutzwart Fritz Merkle. Hier lernten die Teilnehmer die typische Frühjahrsvegetation auf kalkigem Magerrasen kennen. Dazu zählen Frühlingsenzian, Kerbel, Berberitze, Frühlingsfingerkraut, Kugelblume und gelber Enzian. Das Digelfeld beheimatet aber auch Orchideenarten wie etwa das Helmknabenkraut. Herter zeigte anschaulich auf, wie man die Blumen aufgrund von Standort, Farbe, Blüte, Blättern und Blattstellung erkennt. Die Teilnehmer erfuhren zudem eine Menge über die ökologischen Zusammenhänge und die Entwicklung des Naturschutzgebiets.

Wertvolle Anregungen für Wanderungen

Die Nachhaltigkeitsreihe hat aufgezeigt, wie sehr Landschaft und Menschen miteinander verbunden und voneinander abhängig sind und wie Veränderungen in der Natur soziale, ökonomische und ökologische Auswirkungen mit sich bringen. „Die Teilnehmer konnten wertvolle Anregungen und Informationen zur nachhaltigen Gestaltung ihrer Wanderangebote mit nach Hause nehmen“, glaubt die Projektkoordinatorin der Heimat- und Wanderakademie Karin Kunz. Gerade beim Wandern könnten natürliche Zusammenhänge und kulturhistorische Entwicklungen gut vermittelt werden – davon ist sie überzeugt.

Die Kursreihe setzt sich fort

Im Herbst soll es mit der Kursreihe weitergehen: Unter dem Titel „Schöpfung bewahren – aber warum!?“ findet am 11. Oktober ein Vortragsabend im Haus der Volkskunde in Balingen statt. Am 12. Oktober geht es dann mit einem Planspiel und Gruppenarbeit in Kooperation mit dem Umweltbeauftragten der evangelischen Landeskirche weiter. Im Frühjahr 2014 sollen die Teilnehmer dann bei einem Praxisseminar aufzeigen, wie sie das Thema „Bildung zur nachhaltigen Entwicklung“ bei ihren Wanderungen konkret umsetzen werden.

Weitere Informationen zu der Kursreihe: http://wandern.albverein.net/bildung-fur-nachhaltige-entwicklung/

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Über swaechter

Ich bin freie Journalistin und also solche für die Pressearbeit des Albvereins/Gesamtverein zuständig. Zur Pressearbeit beim Schwäbischen Albverein gehört beispielsweise die Erstellung von Pressemitteilungen und Texten, die Fotobeschaffung, die redaktionelle Arbeit für die Homepage, die Berichterstattung über vereinsinterne Veranstaltungen und Informationsforen, die Zusammenstellung von Presseunterlagen, die Realisierung von Presseterminen und Pressekonferenzen und die Entwicklung von Presseplänen über das Jahr. Außerdem arbeite ich punktuell für verschiedene Verlage als Redakteurin. Weiterhin mache ich projektbezogene Pressearbeit für Unternehmen, Messen sowie Vereine und Verbände. Meine Schwerpunkte sind Umwelt, Naturschutz, Gesundheit, Tourismus, aber auch Facility Management und Kommunaltechnik.