Naturschutz geht jeden etwas an

Schutzgebiete als Regelwerke zum Erhalt von Arten und Landschaften

Der Schwäbische Albverein hat am Samstag, 9. November 2013, in der altehrwürdigen „Musikhalle“ in Ludwigsburg seinen 11. öffentlichen Naturschutztag veranstaltet. Die traditionsreiche Tagung findet seit 1994 im zweijährigen Rhythmus statt. Rund150 Besucher und namhafte Experten aus Politik und Naturschutz nahmen an der Veranstaltung teil. Das Tagungsthema lautete: „Der besondere Schutz von Natur und Landschaft – Schutzgebietskategorien und deren Bedeutung“.

Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß eröffnete die hochkarätige Informationsveranstaltung mit den Worten: „Der Naturschutztag ist ein wichtiges Mittel, um die fachliche Kompetenz des Schwäbischen Albvereins auf dem Gebiet Naturschutz und Landschaftspflege aufzuzeigen und die Botschaften nach außen zu transportieren“. Trotz vieler naturinteressierter Menschen – Mitglieder wie Nichtmitglieder – würden die einzelnen Schutzgebietsbegriffe oft nicht richtig dargestellt oder verwechselt. „Als größter Wandervereins Europas sehen wir deshalb eine wichtige Aufgabe darin, die verschiedenen Typen von Schutzgebieten klar und deutlich zu benennen und vorzustellen“, so Rauchfuß.

Experten aus der Praxis, allen voran Vizepräsident und ehemaliger Leiter des Referats Naturschutz im Regierungspräsidium Stuttgart Reinhard Wolf vermittelten in ihren Vorträgen grundlegendes Wissen und zeigten Maßnahmen zum Schutz von Lebensräumen auf. In ihren Grußworten lobten Vertreter aus Kommunal- und Landespolitik die Bedeutung des Schwäbischen Albvereins, welcher – so der Tenor aller – einen großen Anteil der im Land notwendigen Landschaftspflegemaßnahmen gewährleiste. Ministerialrat Dr. Dietwalt Rohlf, der im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium für den Naturschutz zuständig ist, bezeichnete den Albverein sogar als „größten Landschaftspflegetrupp des Landes“.

Die Kernfrage des diesjährigen Naturschutztages lautete: „Was ist eigentlich was?“. Vizepräsident Reinhard Wolf startete bei der Vorstellung von 16 Schutzgebietskategorien mit dem Naturschutzgebiet (NSG). Er fragte zum Auftakt in die Runde: „Ist es im NSG generell verboten, die Wege zu verlassen?“. Die richtige Antwort sei: „nicht in jedem Fall“. Die Regelungen in NSG seien individuell von der zuständigen Naturschutzbehörde geregelt, so Wolf. Will heißen, wer es genau wissen will, muss zuerst die Bestimmung vor Ort durchlesen.

Neben dem Naturschutzgebiet erläuterte Wolf auch alle anderen Schutzgebietskategorien – vom großräumigen Naturpark über einzelne Naturdenkmale bis hin zum eher von Tourismus und Landwirtschaft geprägten Biosphärengebiet oder dem vom Menschen kaum beeinflussten Typ des Nationalparks. Wolf zeigte – mit vielen Fotos untermauert – Naturschutzgebiete wie das Schopflocher Moor, den Hinteren Kappelberg bei Fellbach oder den Favoritepark in Ludwigsburg.

Typische Naturparks gibt es beispielsweise im Schönbuch oder im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Ein bekanntes Biosphärengebiet liegt auf der Schwäbischen Alb rund um Münsingen. „Dieses nimmt immerhin 2,39 Prozent der Landesfläche in Baden-Württemberg ein“, betonte der Albvereinsvize. Darüber hinaus gibt es auch besonders geschützte Biotope wie Moore, Nasswiesen, Trockenrasen oder Trockenmauern, FFH-Schutzgebiete, Bannwälder und Schonwälder, Nationale Naturmonumente wie das Siebengebirge oder die Ostseeinsel Vilm.

Naturschutz beginnt vor der Haustür

Im Anschluss an die Vorstellung der Schutzgebiete gab Sylvia Metz vom Regierungspräsidium Tübingen noch einen Überblick über Schutzgebiete vor der Haustür und darüber, wie die Vereinsmitglieder bei so genannten Kontrollgängen in der Natur noch aktiver werden könnten. „Beobachten, sammeln, dokumentieren und Kontakt zu Behörden herstellen“, betrachtet Metz als wichtig. Sie verwies dabei auf eine mögliche Kartierung von Standorten bezüglich bestimmter Arten und die Rückmeldung an die Geschäftsstelle des Albvereins zum Zwecke der Erfassung der Daten. Als Beispiel nannte sie die Zauneidechse. Trotz des häufigen Vorkommens des Reptils, seien die Verbreitungsgebiete lückenhaft dokumentiert. Hier könnten sich Ehrenamtliche einbringen. Ein Pilotprojekt „Amphibien und Reptilien“ gebe es seitens der LUBW.

Isabelle Schneider vom Regierungspräsidium Stuttgart zeigte ebenfalls auf, inwieweit der Schwäbische Albverein sein Engagement beim Naturschutz bei der Umsetzung der Natura 2000-Managementpläne noch weiter ausdehnen könnte. Sie nannte z.B. die Pflege von Heideflächen, Felsbiotopen, Feuchtbiotopen, Streuobstwiesen oder extensiven Grünland.

Zum Ende der ganztägigen Veranstaltung präsentierte Hauptnaturschutzwart Süd Dr. Wolfgang Herter die aktuell erschienene Naturschutzkonzeption des Schwäbischen Albvereins. „Umweltwissen und naturkundliches Wissen müssen stärker gefördert werden“, sagte der Fachmann und machte damit klar, welchen Stellenwert auch das Thema Umweltbildung beim Albverein hat. Er nannte als Beispiel das Programm „Junior Ranger“, an welchem sich der Albverein beteiligt, um schon die Jüngsten für den Naturschutz zu sensibilisieren.

„Wir tragen als Menschen Verantwortung für den Schutz von Tieren und Pflanzen“, sagte Rauchfuß abschließend. Viel zu viel Fläche wird seiner Meinung nach in Deutschland versiegelt. Belastungen durch Smog und Feinstaub kämen hinzu. „Wir brauchen feste Spielregeln für unsere Natur“, so der Albvereinspräsident.

Naturschutz und Landschaftspflege haben beim Albverein seit jeher einen großen Stellenwert. Der Beginn der Naturschutzarbeit wird seitens des Albvereins auf 1908 datiert. Seither schaffen die Naturschützer im Albverein Beträchtliches: Im Jahr 2012  leisteten Ehrenamtliche knapp 43.000 Arbeitsstunden auf rund 5.800 ha Fläche. Zu den Aktivitäten zählen Biotoppflege, Biotopneuanlage, Pflanzaktionen, Putzaktionen, Kontrollgänge in der Natur und vieles mehr.

Infos im Internet: http://natur-umwelt.albverein.net/

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Über swaechter

Ich bin freie Journalistin und also solche für die Pressearbeit des Albvereins/Gesamtverein zuständig. Zur Pressearbeit beim Schwäbischen Albverein gehört beispielsweise die Erstellung von Pressemitteilungen und Texten, die Fotobeschaffung, die redaktionelle Arbeit für die Homepage, die Berichterstattung über vereinsinterne Veranstaltungen und Informationsforen, die Zusammenstellung von Presseunterlagen, die Realisierung von Presseterminen und Pressekonferenzen und die Entwicklung von Presseplänen über das Jahr. Außerdem arbeite ich punktuell für verschiedene Verlage als Redakteurin. Weiterhin mache ich projektbezogene Pressearbeit für Unternehmen, Messen sowie Vereine und Verbände. Meine Schwerpunkte sind Umwelt, Naturschutz, Gesundheit, Tourismus, aber auch Facility Management und Kommunaltechnik.